Januar ist kein Neuanfang, er ist ein Prüfstein. Es ist kein Prüfstein für Vorsätze – sondern ein für Haltung. Wer Menschen führt, weiß, dass Motivation flüchtig ist. Disziplin ist es nicht. Resilienz entsteht nicht in PowerPoint, sondern im Alltag. Und interkulturelle Kompetenz zeigt sich nicht auf Konferenzen, sondern dann, wenn Interessen, Werte und Erwartungen kollidieren.
In einer Zeit wachsender Unsicherheit, hybrider Bedrohungen und gesellschaftlicher Polarisierung entscheidet nicht Fachwissen über Wirkung, sondern Charakter, Klarheit und die Bereitschaft, Verantwortung für Teams, Organisationen und das Gemeinwesen zu übernehmen. Hamburg, diese Stadt zwischen Hafen und Horizont, hat mich eines gelehrt: Stabilität entsteht dort, wo Menschen bereit sind, mehr zu tragen als ihre eigene Last. Führung heißt, Orientierung zu geben, wenn andere schwanken und Vorbild zu sein, wenn es unbequem wird.
Das erste Kapitel des Jahres ist geschrieben. Die Frage ist nicht, ob wir weiterschreiben – sondern wie. Wer Erfolge nicht reflektiert, verschenkt Lernkurven. Wer sie nicht teilt, verschenkt Wirkung. Meine Meilensteine aus dem ersten Kapitel 2026 – beruflich, im Ehrenamt und privat – finden Sie im folgenden Beitrag. Nicht als Selbstzweck, sondern als Einladung: zur Reflexion, zur Beteiligung und zur gemeinsamen Verantwortung.
Meiner Erfolge des ersten Kapitels 2026
Beruflich
Nach Jahren intensiver Tätigkeit im Ausland und im Bundesministerium der Verteidigung habe ich das Jahr 2026 bewusst mit einem klaren Schnitt begonnen. Nicht aus Unruhe, sondern aus Überzeugung. Veränderung ist kein Zeichen von Orientierungslosigkeit – sie ist Ausdruck strategischer Selbstführung. Mit dem Wechsel in das Kommando Cyber- und Informationsraum habe ich mich erneut in ein Umfeld begeben, das hohe fachliche Exzellenz, mentale Beweglichkeit und interkulturelles Verständnis verlangt. Moderne Konflikte werden nicht mehr nur an physischen Grenzen entschieden, sondern im Informationsraum, im digitalen Raum und im Kopf der Menschen. Führung in diesem Kontext bedeutet, mit Unsicherheit umgehen zu können und gleichzeitig Verlässlichkeit auszustrahlen.
Auch hier gilt: Eine neue Funktion ist kein Status, sondern ein Arbeitsauftrag. Neue Strukturen wollen verstanden, neue Projekte initiiert und neue Teams zusammengeführt werden. Wer glaubt, Erfahrung ersetze Lernbereitschaft, verliert Anschluss. Resilienz zeigt sich genau an diesem Punkt – in der Fähigkeit, sich selbst immer wieder infrage zu stellen, ohne dabei den eigenen Wertekompass zu verlieren. Gerade in interdisziplinären und multinationalen Zusammenhängen wird deutlich, dass Führung weniger mit Anweisung als mit Anschlussfähigkeit zu tun hat. Zuhören, einordnen, vermitteln und dann entscheiden. Diese Balance bleibt für mich der zentrale Maßstab meines beruflichen Handelns – auch und gerade zu Beginn dieses Jahres.
In Vereinen
Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht durch Appelle, sondern durch kontinuierliche Arbeit. Durch Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, ohne dafür Applaus zu erwarten. Ehrenamt ist kein Nebenbei – es ist Führung im Echtbetrieb – ohne echte Hierarchie, ohne Weisungsbefugnis und oft ohne Sicherheitsnetz. Seit nunmehr sechs Jahren läuft das Schulprojekt der Hamburger Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. Es ist kein Leuchtturmprojekt, weil es glänzt, sondern weil es trägt. Auch 2026 befindet es sich teilweise noch in der Vorbereitung, doch die ersten Veranstaltungen starten bereits im Februar. Wieder werden wir an verschiedenen Hamburger Schulen sicherheitspolitische Themen diskutieren – altersgerecht, dialogorientiert und ohne Belehrung.
Sicherheitspolitik betrifft nicht nur jene, die Uniform tragen oder in Behörden arbeiten. Sie wirkt auf Lieferketten, Energieversorgung, Meinungsfreiheit und sozialen Frieden. Genau deshalb braucht sie Übersetzer. Menschen, die komplexe Zusammenhänge verständlich machen, ohne sie zu vereinfachen und die dabei glaubhaft sind, weil sie die Themen nicht nur durch die akademische Brille betrachten, sondern auch mit Erfahrungen anreichern können. Dieses Selbstverständnis prägt unsere Arbeit.
Ein Leitgedanke begleitet mich dabei seit vielen Jahren:
SECURITAS FUNDAMENTUM
EST OMNIUM DIVITIARUM
Sicherheit ist das Fundament, auf dem Wohlstand wächst. Dieses Motto ist kein Zitat für Festschriften, sondern ein Arbeitsauftrag. Die von mir geleitete GSP-Sektion Hamburg richtet ihr Handeln konsequent daran aus.
Seit 2022 trage ich zusätzlich Verantwortung als Landesvorsitzender für den Landesbereich I mit Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern und bin Mitglied im Bundesvorstand. Nach einigen strukturellen Rückschritten im Jahr 2022 haben wir ab 2023 bewusst Kurskorrekturen vorgenommen. Die Wirkung ist eindeutig. Nahezu alle Sektionen verfügen über aktive Sektionsleiter, sie wachsen wieder und verjüngen sich. Das läuft nahezu komplett gegen den Bundestrend bei Vereinen und auch gegen den in der bundesweiten GSP. In Hamburg steuern wir auf rund 120 Mitglieder zu. Sicherheitspolitik ist bei uns längst kein reines Männerthema mehr – Vielfalt ist kein Ziel an sich, sondern ein Qualitätsmerkmal guter Debatte.
Die Ergebnisse bestätigen den eingeschlagenen Weg. Gleichzeitig wäre es unehrlich zu behaupten, dass alle Herausforderungen gelöst sind. Einige Sektionen stehen weiterhin vor strukturellen und personellen Aufgaben. Führung im Ehrenamt heißt auch, diese Realität auszuhalten, ohne den Anspruch aufzugeben. Wer Interesse an sicherheitspolitischem Austausch hat, sich selbst einbringen möchte oder unsere Arbeit finanziell unterstützen möchte, ist ausdrücklich eingeladen. Engagement beginnt oft mit einem Gespräch – und manchmal mit der einfachen Entscheidung, nicht am Rand stehen zu bleiben.
Privat
Auch wenn die großen Namen Resilienz eher als Staatliche Aufgabe verorten, beginnt sie für mich nicht beim Staat und auch nicht im Beruf und schon gar nicht endet sie dort. Wer über Menschenführung spricht, ohne sich selbst führen zu können, bleibt unglaubwürdig. Körperliche und mentale Leistungsfähigkeit sind keine Lifestyle-Themen, sondern Führungsressourcen. Gerade für Menschen, die viel Zeit im Sitzen, mit Denken und mit Entscheiden verbringen.
Für das Jahr 2026 habe ich mir erneut ein klares, messbares Ziel gesetzt: mindestens 6.500 Kilometer aus eigener Muskelkraft zurückzulegen. Laufend, wandernd oder mit dem Fahrrad – die Form ist zweitrangig, entscheidend ist die Konsequenz. Auf den ersten Blick wirkt diese Zahl unspektakulär. In der Realität verlangt sie etwas, das im Alltag knapp ist, nämlich Zeit, Priorisierung und Selbstdisziplin. Als Schreibtischtäter ist Bewegung kein Nebenprodukt, sondern eine bewusste Entscheidung. Genau darin liegt der Kern. Führung heißt auch, sich nicht von äußeren Umständen steuern zu lassen, sondern innere Standards zu setzen – und sie einzuhalten. 2025 habe ich dieses Ziel erreicht. Damit war klar: Es ist kein Wunsch, sondern eine belastbare Routine.
Der Januar 2026 war dafür ein realistischer Härtetest. Wetter, Arbeitsbelastung und lange Tage am Schreibtisch waren keine Ausnahmen, sondern die Regel. Trotzdem habe ich in diesem Monat 550,46 Kilometer zurückgelegt. Geplant waren 552,05 Kilometer. Das Ergebnis liegt faktisch im Soll. Ich liege nach einem Januar mit Glatteis und insgesamt schlechten Wetterbedingungen 1,59 Kilometer zurück. Wichtiger als die Differenz ist jedoch die Erkenntnis, dass Kontinuität Perfektion schlägt.
Diese persönliche Routine ist kein Selbstzweck. Sie schafft mentale Klarheit, Stressresistenz und eine Form von Erdung, die im beruflichen Kontext unmittelbar wirksam wird. Wer sich regelmäßig bewegt, auch wenn er am Abend keine Lust mehr hat, entwickelt ein anderes Verständnis für Belastbarkeit – bei sich selbst und bei anderen. Eigene Erfahrung schärft hier den Blick mehr als jedes Seminar. Privates Commitment ist damit immer auch gesellschaftliches Signal. Es zeigt, dass Anspruch und Realität zusammengebracht werden können – Schritt für Schritt. Nicht spektakulär, aber verlässlich. Und genau diese Form von Vorbildwirkung ist es, die Menschen ermutigt, eigene Ziele ernst zu nehmen und durchzuhalten.
Schlussgedanke
Erfolge sind kein Selbstzweck. Sie sind Wegmarken. Wer sie verschweigt, verschenkt Orientierung. Wer sie zur Selbstdarstellung nutzt, verspielt Glaubwürdigkeit. Entscheidend ist, was aus ihnen für andere folgt. Beruf, Ehrenamt und privates Commitment sind keine getrennten Sphären. Sie bilden ein System. Führung wirkt nur dann stabil, wenn sie in allen drei Bereichen anschlussfähig ist. Resilienz entsteht nicht durch Ausnahmesituationen, sondern durch verlässliche Standards. Und interkulturelle Kompetenz wächst nicht aus Theorie, sondern aus Haltung, persönlichen Erfahrung und der Bereitschaft, sich selbst immer wieder zu justieren.
In einer Gesellschaft, die schnelle Meinungen höher bewertet als langfristige Verantwortung, braucht es Menschen, die leise, aber konsequent wirken. Nicht, weil sie es müssen – sondern weil sie es können. Engagement beginnt dort, wo jemand bereit ist, mehr zu geben als gefordert wird, ohne daraus einen Anspruch abzuleiten. Hamburg hat mich geprägt in diesem Verständnis. Diese Stadt lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, auch wenn niemand zuschaut. Im Hafen wie im Ehrenamt, in Führungsetagen wie im Vereinsraum. Stabilität ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis vieler Entscheidungen, die einzeln unspektakulär sind, in Summe aber tragen.
Wenn dieser Beitrag eines leisten soll, dann dies: Mut machen, den eigenen Wirkungskreis ernst zu nehmen. Sich nicht kleiner zu denken, als man ist – aber auch nicht wichtiger. Verantwortung zu übernehmen, wo man steht. Und dranzubleiben, wenn der Applaus ausbleibt. Gesellschaftlicher Fortschritt entsteht nicht durch große Gesten oder eindringliche Worte, sondern durch viele Menschen, die bereit sind, ihren Teil zu leisten. Wer sich darauf einlässt, verändert mehr als nur die eigene Bilanz. Er stärkt das Fundament, auf dem Vertrauen, Sicherheit und Zusammenhalt wachsen können.


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